Nachhaltigkeit

VSME-Standards veröffentlicht: Das müssen KMU jetzt wissen

Im Dezember 2024 hat die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) der Europäischen Kommission die finale Fassung des „Voluntary SME-Standard“ (VSME) vorgelegt. Hinter diesen Abkürzungs- und Wortungetümen verbirgt sich ein freiwilliger Standard, der nicht-kapital marktorientierten Kleinstunternehmen sowie Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) die Nachhaltigkeitsberichterstattung erleichtern soll. Wir haben hier für Sie zusammengefasst, was der VSME-Standard ist, welche Auswirkungen er auf Ihr Unternehmen haben kann, welche Vorteile er Ihnen bietet und wie Sie ihn umsetzen können.

Zuletzt aktualisiert am 14.02.2025
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Der VSME-Standard soll Unternehmen entlasten

Der VSME-Standard ist ein freiwilliger Berichtsstandard, der speziell Kleinstunternehmen und KMU dabei helfen soll, Nachhaltigkeitsinformationen effizient zu erfassen und zu dokumentieren. Der Standard wurde von der EFRAG und in enger Abstimmung mit dem DRSC (Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee) entwickelt.  
In einer umfassenden Konsultationsphase zu den Entwürfen des VSME-Standards holte die EFRAG Feedback von verschiedenen Interessengruppen, darunter KMUs, KMU-Verbände, Banken und Wirtschaftsprüfern ein, und erarbeitete daraufhin die nun vorliegende finale Fassung. Sie soll den spezifischen Bedürfnissen und Ressourcen kleiner und mittlerer Unternehmen Rechnung tragen. 

Der VSME-Standard ist, wenn man so will, das Ergebnis einer Kettenreaktion: Große Unternehmen sind seit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) dazu verpflichtet, umfassende Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Das führt dazu, dass sie ihrerseits Informationen bei ihren Lieferanten nachfragen. KMU sind also nicht direkt berichtspflichtig, aber über ihre Beziehungen zu Großunternehmen indirekt von den Anforderungen der CSRD betroffen.  

Ziel: Freiwillige Berichterstattung vereinfachen

Die Idee hinter dem Standard ist es, auch den nicht berichtspflichtigen KMU eine Möglichkeit zu bieten, sich nachhaltig zu positionieren und den wachsenden ErwartungenvonGeschäftspartnern, Banken, Kunden und Investoren gerecht zu werden. Außerdem unterstützt der Standard KMU dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu definieren und Maßnahmen umzusetzen. 
Mithilfe des VSME-Standards können KMU ihre Nachhaltigkeitsinformationenstrukturiert bereitstellen und damit bei großen Geschäftspartnern punkten, die ihrerseits ihre Lieferkette transparent machen müssen. Der VSME-Standard verhilft den KMU zu einer stärkeren Position in globalen Lieferketten, da sie Nachhaltigkeitsanforderungen ihrer Geschäftspartner strukturierter und glaubwürdiger erfüllen. 

Der VSME-Standard ist auf der Website der EFRAGkostenlos verfügbar. Dort finden sich auch Leitlinien, die den Einstieg erleichtern. Außerdem will die EFRAG im Jahr 2025 eine Reihe von Unterstützungsmaterialien herausbringen und öffentliche Veranstaltungen anbieten, um die Anwendung des VSME zu fördern. 
 

Worum geht es bei dem VSME-Standard konkret?

Der VSME-Standard konzentriert sich auf drei zentrale Nachhaltigkeitsbereiche, die den drei Säulen der Nachhaltigkeit entsprechen:

  • Umwelt (Environmental)
    CO₂-Emissionen (direkt und indirekt).
    Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser).
    Abfallmanagement und Recyclingquoten.
  • Soziales (Social)
    Faire Arbeitsbedingungen.
    Diversität und Chancengleichheit.
    Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette.
  • Governance
    Maßnahmen zur Vermeidung von Korruption.
    Transparenz in der Unternehmensführung.
    Nachhaltigkeitsrisiken und deren Management. 

Die zwei Module des VSME-Standard

Der Standard ist modular aufgebaut, sodass Unternehmen selbst entscheiden können, welche Nachhaltigkeitsaspekte für sie relevant sind. Im Vergleich zu umfassenden Standards, wie etwa den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) sind die Anforderungen des VSME einfacher und ressourcenschonender umzusetzen:

Das Basismodul richtet sich insbesondere an Kleinstunternehmen und deckt neun Themenbereiche aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Corporate Governance ab, darunter CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Korruptionsprävention. 

Das umfassendere Modul ergänzt das Basis-Modul und verlangt zusätzliche Datenpunkte, die erfahrungsgemäß häufig von Stakeholdern wie Finanzierungspartnern oder großen Geschäftspartnern aus der Lieferkette abgefragt werden. Dazu zählen unter anderem detaillierte Angaben zu Lieferkettenrisiken oder zu spezifischen Maßnahmen zur Förderung von Chancengleichheit 

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Tipps für Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist gerade für KMU oft ein Angang. Folgende Tipps erleichtern den Einstieg: 

  1. Mangelnde Ressourcen:
    KMU fehlt es oft an finanziellen und personellen Mitteln, um sich neben dem Tagesgeschäft noch um die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu kümmern. 

    Tipp: Starten Sie mit der Erhebung der wichtigsten Daten und erweitern Sie Ihre Berichterstattung schrittweise. Besuchen Sie die Schulungsangebote und Webinare der EFRAG.

  2. Komplexität der Wesentlichkeitsanalyse:
    Es ist gar nicht so einfach, die relevanten Nachhaltigkeitsaspekte zu definieren, denn Nachhaltigkeit ist komplex. 

    Tipp: Der VSME-Standard bietet eine praxisnahe Unterstützung, mit der Sie eine vereinfachte Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen können. 

  3. Datenerfassung:
    Die Erhebung von Nachhaltigkeitsdaten ist aufwändig und zeitintensiv. 

    Tipp: Nutzen Sie digitale Tools wie das PAT-Modul (Performance Assessment Tool), um Daten zu sammeln, zu überwachen und zu analysieren. 

  4. Kommunikation:
    Vielen KMU fällt es schwer, die Ergebnisse ihrer Nachhaltigkeitsanalysen klar zu kommunizieren. 

Der VSME-Standard will Unternehmen in die Lage versetzen, vereinfachte Berichte zu verfassen. 

Wie unterscheidet sich der VSME von anderen Berichtsstandards?

Der VSME-Standard ist speziell auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten und somit kompakter und weniger komplex als zum Beispiel die European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die Global Reporting Initiative (GRI) oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Außerdem ist die Anwendung des VSME freiwillig.

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In vier Schritten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

  1. Bestandsaufnahme: Analysieren Sie Ihre bestehenden Nachhaltigkeitsaktivitäten.
  2. Wesentlichkeitsanalyse: Identifizieren Sie relevante Nachhaltigkeitsaspekte anhand der EFRAG-Leitlinien.  
  3. Module auswählen: Konzentrieren Sie sich auf die Module, die für Ihre Branche und Ihr Geschäftsmodell wichtig sind.
  4. Bericht erstellen: Nutzen Sie die Vorlagen des VSME, um Ihre Datenpunkte übersichtlich darzustellen. 

Der VSME-Standard bietet Ihnen eine flexible und praxisnahe Möglichkeit, Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verbessern. Mit klar definierten Anforderungen und einem modularen Aufbau ist der Standard ideal, um mit überschaubarem Aufwand Transparenz zu schaffen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.